Was als Fauxpas vor knapp drei Wochen begann, endete heute zwar mit einer erneuten Löschung des EduCamp-Artikel aus der Wikipedia (WP), war aber für mich letztlich eines der lehrreichsten Erfahrung mit eben dieser.

Ein Erfahrungsbericht.

Mit der pfiffigen Idee unserer Studi-Teams zur Organisation des kommenden EduCamps (“Das EduCamp sollte doch auch einen WP-Eintrag haben.”) und der unmittelbaren Umsetzung, startete für mich ein Crashkurs zur Arbeitsweise der WP. Ja, das Web 2.0 ist meine Passion und mein täglich Brot, doch bisher gehörte ich zu denjenigen, die bei der obligatorischen Frage vor einem Vortrag zur WP (Wer hat selbst schon mal etwas editiert?) leicht erötet den Arm unten ließen. Bisher sah ich einfach nicht die Notwendigkeit. Die erste Löschdiskussion (LD) zum EduCamp-Artikel nahm ich mir jedoch zum Anlass endlich auch aktiv zu werden, schließlich ging es um eines meiner liebsten Steckenpferde. Motiviert von allerlei Zusprüchen über Twitter und in der LD selbst, schaltet ich mich erstmals in eine LD ein, zumal man dort für mich im ersten Augenblick flach behauptete das EduCamp sei von “[...] höchst zweifelhafter Relevanz [...]“. Da vor allem die Formalia im Artikel nicht stimmte (siehe Kommentar von Leithian) kam es dann auch direkt zu einer Löschung, was in diesem Moment, zunächst aus Entsetzen über diese Entscheidung, meinen Ehrgeiz erst so richtig entfachte. 

Auf Anregung von Leithian wurde der Eintrag aus dem Artikelraum (ANR) in meinen Benutzernamensraum (BNR) überführt, einem Bereich, der jedem Nutzer zur Verfügung steht und auf dem es möglich ist einen Artikel zu entwickeln (Wichtig: als Baustelle kennzeichen), bevor man ihn in die eigentliche WP verschiebt. Zusammen mit einer Handvoll Helfern (vor allem Dank Cujo301) wurde schnell ein formal korrekter WP-Eintrag der durch Leithian wenige Tage später zurück in den ANR verschoben wurde, bevor er dann zwei Tage später wieder einen Löschantrag erhielt. Da es diesmal aber keine formalen Beanstandungen gab, konnte die eigentlich normale 7-tägige zweite LD beginnen, in der wir, leider ohne Erfolg, die Relevanz des EduCamps darstellen sollten.

An dieser Stelle möchte ich nicht weiter auf die Argumentation eingehen (kann man in der LD nachlesen), sondern vielmehr kurz meine dortigen Beobachtungen schildern: Man hat es in einer LD nicht nur mit argumentierenden und vor allem netten Wikipedianern zu tun, so wird einem schnell mal eine sockige Diskussion vorgeworfen, muss man sich mit anonymen Nutzern zum Teil bizarre Wortgefechte liefern, werden Kommentare nicht bis zum Ende gelesen und damit missinterpretiert bis hin zu dem Punkt, dass man sich an den Pranger gestellt fühlt. Da kann man sich dann schnell mal, wie in der LD witzigerweise auch angemerkt, in die “Löschhölle” versetzt fühlen. Aber hierfür empfiehlt sich die WP-eigene Seite zur Stressbewältigung.

Was habe ich nun für mich aus den vergangenen Tagen gelernt und möchte ich all denen auf den Weg geben, die auch mal die andere Seite der Wikipedia kennenlernen wollen?

  1. Meldet Euch in der Wikipedia an! – Dies ermöglicht euch selbst einen Bereich zum Entwerfen von Artikeln zu nutzen und um für andere ansprechbar zu sein, da dies über die eigene Diskussions-Seiten läuft.
  2. Meldet Euch im Mentorenprogramm an! – Das war ein Tipp von Helge und hilft einem wirklich ungemein, wenn man völlig neu ist. An dieser Stelle auch Dank an meinen Mentor Leithian ;-)
  3. Schaut Euch die Hinweisseiten an (wahlweise auch das Autorenportal), die Euch Euer Mentor auf die Diskussions-Seite stellt (z.B. bei wie mir)!
  4. Wenn ihr die Wikipedia in der Lehre einsetzen wollt, lest undbedingt: Wikipedia im Bildungswesen!
  5. Erst jetzt solltet ihr loslegen!

Beachtet bei einer etwaigen LD, dass Euer Gegenüber guten Absichten verfolgt und er vor allem ausschließlich intrinsisch motiviert nur ein Ziel vor Augen hat: “den Aufbau einer Enzyklopädie aus freien Inhalten in allen Sprachen der Welt.”

Mein persönliches Fazit?

Mein Chef formulierte es am Mittagstisch in der Mensa heute ungefähr so: “Der Review-Prozess der Wikipedia ist heutzutage höher einzuschätzen, als manches Peer-Review von Fachjournalen.” Dem kann ich nur beipflichten. Meine Hochachtung gilt all den ehrenamtlichen Wikipedianern, die versuchen eine Enzyklopädien mit höchstmöglichem Anspruch zu schreiben. Respekt!