Vor knapp zwei Wochen war ich mal wieder an der TU Ilmenau bei Marcel. Neben anderen Terminen und Workshops, haben wir uns am Smartboard Gedanken zu unseren Promotionsthemen gemacht. Da wir ja “zwei eng verzahnte Einzelpromotionen” anstreben, stand hierbei vor allem die Abgrenzung der beiden Kernthemen auf dem Programm. Die zentrale Frage, die wir uns hierbei stellten, lautete:

Was ist eine persönliche Lernumgebung (engl. abgekürzt PLE) und inwieweit lässt sie sich vom E-Portfolio abgrenzen?

Unsere stichpunktartigen Aufzeichnungen des Brainstormings stellen wir hier gerne zur Diskussion:

Zunächst: Ist die PLE ein Tool wie z.B. Mahara oder Protopage? → NEIN

Die Abgrenzung PLE von E-Portfolio ist unabhängig vom Tool zu betrachten!
→ entscheidend ist die Methode

PLE vs. E-Portfolio – Abgrenzung

PLE E-Portfolio
  • lose, vernetzte Tool-Landschaft („loosely joined pieces“) zur Generierung von Informationen
  • = Prozess der Aufbereitung (Recherchieren, Zusammenstellen, Kombinieren) von Informationen
  • → PLE-Methode (-Konzept)
  • Dokumentation von Lernergebnissen und -prozessen (Lernpfad/-wachstum)
  • selbständige Auswahl der und Kontrolle über die Bestandteile bzw. Wissensbausteine
  • in Anlehnung an Edumedia-Definition (Link)
  • Reflexion als zentraler Prozess
  • Def. von bestimmten Ansichten/Bereichen
  • zunächst gleichgültig ob öffentlich oder privat

Blog als Beispiel

Hybrid/Zwidder? → ja!

PLE E-Portfolio
  • Aufbereitung eines Beitrags (schreiben, verlinken, taggen, …)
  • „flüchtiger“ Prozess der Informationsverarbeitung und Wissensgenerierung
  • der aufbereitete Beitrag selbst als Bestandteil des E-Portfolios
  • bewusst (= intentional) manifestierter Inhalt → digitale Repräsentation
  • digital festgehalten und dauerhaft verfügbar

Protopage als Beispiel

PLE E-Portfolio
  • Erzeugen der Startseite = PLE-Nutzung
  • zur Präsentation nach außen verfügbar gestellte Startseite = E-Portfolio-Bestandteil
z.B. Wissenscollage

  • Generierung und Zusammenstellung der Bausteine (Widgets)
  • fertige Wissenscollage mit Visualisierung anhand von Informationsdesign-Kriterien

Die Nutzung der/des PLE führt zur Erweiterung des E-Portfolios um seine bisherigen Inhalte (=Wissensbausteine wie Videos, Blog-Beiträge, Links, etc.).

Ein E-Portfolio ist das Ergebnis des Einsatzes der PLE-Methode (selbstgesteuert-konnektive Lernaktivität).

Promotionsthema (Thomas)

Bisher: Welche Tools eignen sich inwiefern für die PLE?

  • Einsatzszenarien
  • nachhaltiger Lernerfolg
  • Generierung von Wissen
  • Optimierung des Wissensmanagements

JEDOCH: PLE-Methode (nicht die Tools) steht jetzt im Vordergrund → Umformulierung mit Schwerpunktverlagerung

Teilfrage bleibt bestehen: Welche them. Sachverhalte/Einsatzszenarien eignen sich für den Einsatz der PLE-Methode?

Ziele der Promotion (NEU):

  • Definition/Ausdifferenzierung der PLE-Methode
  • Anwendung der PLE-Methode in verschiedenen Fachrichtungen (vorrangig Hochschule)
  • Optimierung der Informationsverarbeitung und Wissensgenerierung (persönliches Wissensmanagement → PKM) unter Zuhilfenahme der PLE-Methode
  • Nachweis nachhaltige Lernerfolgssteigerung durch die PLE-Methode (Evaluation)

Forschungsfrage (draft)

Inwiefern dient die PLE-Methode zur nachhaltigen Lernerfolgssteigerung sowie zur Optimierung der Informationsverarbeitung und Wissensgenerierung in bestimmten thematischen Sachverhalten (konkrete, einzelne Problemstellungen) oder komplexeren Einsatzszenarien (z.B. ein komplettes Seminar)?

Abgrenzung einzelner thematischer Sachverhalte von komplexen Einsatzszenarien
(Bsp. Seminar):

Ein Seminar kann sich aus verschiedenen thematischen Sachverhalten zusammensetzen, für die sich die PLE-Methode auf unterschiedliche Weise eignet. Erst die didaktische Verknüpfung der Einzelschritte führt zu einem komplexen Einsatzszenario – dem Seminar. Damit ist ein thematischer Sachverhalt als kleinere Einheit zu betrachten, die auch unabhängig vom Seminar im konkreten Lern- oder Lebensalltag auftreten kann und die Problemlösung durch Anwendung der PLE-Methode erfordert.

In der selben Woche erschien ein wirklich lesenswerter Artikel von Sandra Schaffert (Salzburg Research) und Marco Kalz (Centre for Learning Sciences and Technologies, Open University of the Netherlands), der die PLE-Thematik in ähnlicher Weise vertieft. Der Titel lautet: “Persönliche Lernumgebungen: Grundlagen, Mçglichkeiten und Herausforderungen eines neuen Konzepts“.

Diskussion

Was ist Eure Meinung zur Abgrenzung PLEs von E-Portfolios? Seht Ihr das ähnlich oder völlig anders? Wir freuen uns auf Eure Kommentare!